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Grünliberaler Zusammenschluss: Auf dem Weg zu einem neuen Freiheitsbegriff

Fast die Hälfte aller jungen Wähler:innen unter 30 Jahren haben bei der Bundestagswahl die Grünen oder die FDP gewählt. Das zeigt laut Prof. Johannes Wallacher, dass die beiden Elemente grün und liberal nicht nur gleichermaßen politisch gewichtig, sondern auch wegweisend für einen grundlegenden Wandel hin zu einer klimaneutralen Industriegesellschaft seien.

Quelle: Zeit.de/politik/deutschland/2021-09/

Zusammen mit Martin R. Stuchtey, Geologe, Wirtschaftswissenschaftler, Professor für Ressourcenstrategie und -management an der Leopold-Franzens Universität Innsbruck und Gründer von SYSTEMIQ Ltd., hat er die Bedeutung eines neuen Freiheitsverständnisses für das Gelingen der „Zitrusallianz“ von Grünen und FDP in einem Essay skizziert, erschienen am 19. November 2021 in der WirtschaftsWoche.

Da aus Sicht der nächsten Generation die Gegensätze zwischen „liberal“ (der Freiheit des Individuums verpflichtet) und „grün“ (den künftigen Lebensumständen verpflichtet) verschwimmen, könne dem neuen Bündnis ein „ökologischer Blick“ auf die christliche Soziallehre helfen. Denn in letzterer gehe es elementar um Fragen der globalen und intergenerationellen Gerechtigkeit.

Die Grundeinsicht zur stufenweisen Lösung der anstehenden Gerechtigkeitsfragen biete eine Bestimmung des Freiheitsbegriffs aus der Perspektive sozial-ökologischer Verantwortung.

Zentral dafür sei ein Verständnis von Freiheit, das wegführt von seiner libertären Engführung: Freiheit sei nicht bloß als Abwesenheit von Verbot und Zwang zu verstehen, sondern als gewährende und ermöglichende Freiheit zugunsten derer, deren Freiheitsrechte nicht oder noch nicht gesichert sind.

Die Gegensätze zwischen „liberal“ und „grün“ verschwimmen

Für eine Lösung der anstehenden Gerechtigkeitsfragen lasse sich die Tradition der kirchlichen Soziallehre, angepasst mit einem ökologischen Perspektivenwechsel, Wallacher und Stuchtey nach vor allem dann anwenden, wenn man das Verständnis von Freiheit zugunsten von Menschen in besonders verwundbaren Regionen und Ländern der Welt – und von Menschen, die noch nicht geboren sind – erweitere und zudem die Lust auf Innovation wecke.

Der Perspektivenwechsel der ökologischen Soziallehre versöhnt also nicht nur Liberales mit Ökologischem, sondern auch Ökologisches mit Liberalem und könnte wie bereits bei der Etablierung der jungen Demokratie und der Sozialen Marktwirtschaft auch heute wertvolle Impulse für das Gelingen des notwendigen Wandels liefern.

 

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Kommentare (3)

02.03.2022 / 16:30 Uhr

Ich bin liberal und grün - und das als nicht mehr ganz junge Wählerin

Spannend! Vielen Dank für diese Einschätzungen! Dass aber die Gegensätze zwischen liberal und grün verschwimmen ist auf die Wählerschaft bezogen vielleicht neuer. Aber für mich als Alt-68er waren die Grünen schon immer mit liberalen Werten stark verbunden. Dass sich die Grünen nun auch um Wirtschaftlichkeit kümmern (auch in Person Robert Habecks als Minister) ist eher ein verschwimmen zur FDP als zur Liberalität. Die FDP hat offenbar ein Liberalitätsverständnis, dass stark mit der Wirtschaft verknüpft ist, das ist für mich anders.

09.03.2022 / 13:53 Uhr (> Antwort auf Ich bin liberal und grün - und das als nicht mehr ganz junge Wählerin)

FDP-Mitglied seit 1986

Die Frage ist doch, sind die Liberalen noch liberal?

Da kann ich Ihnen nur beipflichten! Die aktuell regierenden Grünen scheinen mir in Fragen der Wirtschaftsordnung so liberal wie einst die FDP in der Regierung Kohl; und in der heutigen FDP dominiert eine eigentümliche Mischung aus Laissez-faire- und Klientel-Politik. Ich bin aber gespannt, was der junge Klima-Liberale Lukas Köhler, der meines Wissens an Ihrer Hochschule promoviert hat, noch so liefern wird...

09.03.2022 / 17:58 Uhr (> Antwort auf FDP-Mitglied seit 1986)

Die lieben Liberalen

Na, dann bleiben Sie mal gespannt :-) Das Team der vielgescholtenen Liberalen ist jedenfalls fleissig und liest auch Kommentare wie diesen. Und tatsächlich sind wir fest überzeugt, dass nur eine wirklich "liberale" Wirtschaftspolitik auch nachhaltig erfolgreich sein kann. Mit besten grün-liberalen Grüßen aus der Baader- in die Kaulbachstraße!